Norbert Lingen

Autor

Wie die Osterhasen ihren Job retten

Norbert Maria J. Lingen

Bild von Emiliano Vittoriosi aus Unsplash

Die Tage sind länger. Der Schnee schmilzt und die ersten Blüten der Schneeglöckchen und Winterlinge arbeiten sich durch die hartnäckigen Reste der Schneedecke an die Sonne. Es dämmert früher und dunkelt später. Das Leben erwacht. Nicht nur die Pflanzen blühen auf, auch die Tiere werden munter. Der Winterschlaf ist vorbei und Igel, Dachs und Eichhörnchen genießen das fortwährende Tageslicht und füllen ihre leeren Mägen wieder. Sie haben den ganzen Winter lang von ihren Reserven gelebt. Der Speck ist weg. Jetzt brauchen sie Nahrung und müssen fressen, fressen, fressen. Entsprechend hektisch sind sie unterwegs. Sie haben Kohldampf und sind auf der Nahrungssuche. So ist am Ende des Winters Feld und Flur von Hektik und Betriebsamkeit geprägt. Alle sind draußen und sorgen für ihren Lebensunterhalt.

Alle? Wirklich alle?

Wo ist denn der Osterhase? Den hat bisher niemand in dem Gewirbel und Getriebe gesehen. Hätte der Osterhase nicht gerade jetzt, wenn der Frühling vor der Tür steht, allen Grund aktiv zu sein? Bald ist Ostern. Das ist nicht nur das Fest der Auferstehung. Nein, es ist der Tag der Ostereier. In der Osterhasengeschichte vom letzten Jahr, hatten die Hühner den ganzen Stress mit Eierlegen, Eier sammeln, Eier färben und Eier an die Kinder verteilen. Das hat sich dank der mutigen Revoluzzerhenne, die dem Osterhasen seine Pflichten klar gemacht hat, geändert. Jetzt legen die Hühner nur die Eier, was nach deren Meinung immer noch Arbeit genug bedeutet.

Die Osterhasen sind mittlerweile nicht nur für das Verteilen der Eier an die Kinder verantwortlich. In endlosen Sitzungen und Meetings haben sich die von der Revoluzzerhenne gegründete Tarifkommission und die Arbeitgebervertretung der abhängig beschäftigten Osterhasen darauf geeinigt, dass die Färbearbeiten von den Osterhasen erledigt werden. Die Hühner konzentrieren sich nun auf die Produktion ihrer Eier. Ihr besonderer Stolz liegt darin, möglichst viele Eier der Größe L zu erzeugen. Das ist nicht einfach. Die Hühner benötigen einiges Training, um nicht beim ersten Legedruck das Ei herausflutschen zu lassen. Sie kneifen einige Stunden fest zusammen, damit das Ei noch ein wenig zulegt und mit der Wunschgröße L in das Nest fällt. Angesichts dieser kniffligen Produktionsanforderungen ist es nicht mehr als gerecht, dass die Osterhasenvereinigung das Färben der Eier übernommen hat.

Bild von Faris Mohammed aus Unsplash

So weit, so gut. Doch wo ist unser Osterhase? Er sollte längst auf dem Weg sein, die Eier zum färben in den Hühnerställen abzuholen. Es sind noch wenige Wochen bis Ostern. Doch hinten auf dem Feld, hoppelt dort nicht ein Hase? Er rennt sicher zum Hühnerhof Eiertraum. Dort bekommt er jedes Jahr seine erste und größte Eierlieferung. Er ist schnell unterwegs, denn er ist spät dran. Er hat wieder verschlafen. Der Hof erscheint in der Ferne und er legt einen Gang zu. Am Hof angekommen begibt er sich alsbald zur Chefhenne. Im Übrigen sind die Hühner so emanzipiert, dass männliche Wesen in ihren Ställen keine Rolle spielen. Hier haben die Hennen das Sagen, überall. Kein Hahn kräht mehr auf dem Mist. Wie es dazu kam ist eine weitere, schreckliche Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden muss. Die Chefhenne ist zuständig für die Lieferung der Eier an den Osterhasen.

Der Bauer ahnt nicht, dass er eine Chefhenne im Hühnerstall hat, die seine Eier hinter seinem Rücken an den Osterhasen weitergibt. Die Hühner haben eine andere Auffassung von den Besitzverhältnissen im Hühnerstall als der Bauer. Ihnen will nicht in den Kopf, auch wenn er klein ist und beim Laufen fürchterlich nach vorne und hinten wackelt, wieso ihre selbst gelegten Eier dem Bauern gehören. Es liegt auf der Hand, wessen Eigentum diese Eier sind. Das Problem ist, wie häufig im Leben, die Kommunikation. Niemals hat es ein Huhn, selbst die berühmte Revoluzzerhenne nicht fertiggebracht, ein Wort an ihren Bauern zu richten.

So wundert es einen nicht, dass der Bauer davon ausgeht, dass die Eier seiner Hühner ihm gehören. Auch bezüglich der Besitzverhältnisse zwischen Bauer und Huhn sind die Hühner eindeutig anderer Meinung als der Bauer. Ihres Wissens ist die Sklaverei abgeschafft. Sie kennen ihre Rechte und das Grundgesetz. Doch wer sagt‘s dem Bauern? So zweigte bislang die jeweilige Chefhenne den Anteil Eier für den Osterhasen an jedem Bauernhof ab. Natürlich hat der Bauer nie etwas bemerkt.

Der Osterhase findet die Chefhenne und fragt nach seiner Lieferung, die sonst in einer großen Kiepe in einer Ecke des Hühnerstalls bereitsteht. Doch am gewohnten Platz ist nichts zu sehen und die Chefhenne schüttelt aufgeregt und resigniert ihre befiederten Schultern:

„In diesem Jahr -pook pook - gibt es keine Eier für die Osterhasen -pook pook-“

„Was ist los? Du weißt, dass die Kinder zu Ostern auf die bunten Eier warten“, antwortet der Osterhase unruhig.

„Ich weiß, ich weiß, -pook pook-“, erwidert die Henne verzweifelt und erbost, dass er sie so schroff anspricht, „der Bauer hat heuer sämtliche Eier von uns eingesammelt. Er hat uns keine Chance gelassen, ein einziges Ei abzuzweigen.“

„Warum das?“, fragt der Osterhase entsetzt, was soll er den armen Kindern sagen?

„Soweit wir das mitbekommen haben,“ erwidert die Chefhenne, „hat der Bauer einen Kaufvertrag mit ALDI abgeschlossen. Er liefert alle Eier ab und erhält dafür viel Geld. Ich habe gehört, dass der Bauer mit seiner Frau darüber gesprochen und geschimpft hat, weil es zu wenig sei. Trotzdem sind beide zufrieden, da sie einen sicheren Abnehmer haben, der garantiert alle Eier, egal wie viel wir Hühner legen, abnimmt“, die Chefhenne kann sich eine boshafte und unfaire Nebenbemerkung nicht verkneifen: 

„Du hast nie etwas bezahlt.“

Der Osterhase kann natürlich die Eier nicht bezahlen. Erstens hat er kein Geld und zweitens verschenkt er die Eier an die Kinder. Der Osterhase war immer auf Spenden der Hennen angewiesen.

Der Osterhase wird ungeduldig, dass die Hühner immer so viel gackern: „Was bedeutet das für uns Osterhasen und die Kinder?“

„Wir haben gehört, dass Aldi die Eier in einer Fabrik automatisch färben lässt. Das ist billig und die Kinder können ihre Ostereier gleich im Supermarkt kaufen. Die Kinder brauchen den Osterhasen nicht mehr. Das hat Aldi jetzt übernommen“, antwortet die Chefhenne bedrückt, „wir können jedenfalls kein einziges Ei für dich erübrigen.“

Der Osterhase ist bestürzt und verabschiedet sich von der Chefhenne. Was soll er tun? Er beschließt, zum nächsten Bauernhof zu hoppeln und hofft, da seine Eier zu bekommen. Er trifft die dortige Chefhenne auf der Wiese hinter dem Hühnerstall an und hört die gleiche Geschichte. Nur nannte sie hier nicht Aldi, sondern Lidl. Die Chefhennen können dem Osterhasen nicht helfen und der ist zunehmend ratlos, weil er auf den nächsten fünf Bauernhöfen ähnliche Auskünfte erhielt. Hier waren es Edeka, Rewe, Penny, Netto und Norma. Offenbar hat der Osterhase keine Chance, an Eier zum Osterfest heranzukommen. Der Markt ist leergefegt. Der Lebensmittelhandel ist drauf und dran, den Osterhasen abzuschaffen.

Jetzt ist guter Rat teuer. Es ist unvorstellbar, die vielen Kinder ohne bunt bemalte Eier Ostern feiern zu lassen. Fabrikgefärbte, seelenlose Eier dürfen ihn nicht ersetzen. Das ist ausgeschlossen. Doch was kann er tun? Er setzt sich in seine Mulde im Acker des Bauern Huber und denkt nach. Seine Gespräche mit den Chefhennen der verschiedenen Bauernhöfe gehen ihm wieder und wieder durch den Kopf. Doch die Hennen schienen alle ratlos, denn sie haben keinen Zugriff auf ihr Eigentum. Sie haben keine Chance gegen ihren Bauern. Das scheitert schon an den Grundzügen der Verständigung. Wenn man nicht die gleiche Sprache spricht, ist eine Einigung reine Glückssache.

Des Osterhasen Verzweiflung wächst. Ostern kann dieses Jahr nicht ausfallen, nur weil die Lebensmittel-konzerne die ihm zustehenden Eier stehlen. Außerdem hat er Angst, die Kinder vergäßen ihn mit der Zeit, wenn sie ihre Eier im Supermarkt bekämen. Das war raffiniert ausgedacht, den Osterhasen von der Eierzufuhr abzuschneiden. So hat der Lebensmittelhandel seinen größten Konkurrenten zu Ostern vom Hals.

Er beschließt, sich die ganze Sache anzuschauen. Er schleicht sich zurück zum Bauernhof des Bauern Huber und sucht die Produktionsräume für die Eier. Er findet sie und kann, weil er sich schön strecken kann, durch das Fenster schauen. Was er sieht, erschreckt ihn. Er hätte sich niemals träumen lassen, dass es so viele Eier gibt. In den Hallen des Bauern Huber stehen hunderte, nein tausende von hochbeladenen Paletten mit Eierkartons. Wer hat diese Eier gelegt? Das müssen doch Millionen von Hühnern gewesen sein. Wo wohnen diese Hennen alle? Der Osterhase hätte nie im Leben gedacht, welche große Zahl von Hühnern existiert.

Der Osterhase kennt sich genauso wenig aus, wie die meisten Menschen, die Eier kaufen. Er hat keine Ahnung von der Massenproduktion. Dort werden Millionen von Hennen in engen Käfigen gefangen gehalten und gezwungen, so viele Eier zu legen, wie sie nur können. Es gibt keine Pause, nur Kraftfutter, damit die Eier schneller wachsen. Und wenn die Hühner ausgelaugt und schwach sind, kommen sie in den Kochtopf. Das ist doch kein Leben, oder?

Wie gesagt, der Osterhase hat keine Ahnung, denn er besucht nur die Bauernhöfe, wo die Hühner einen normalen Hühnerstall haben und draußen auf der Wiese picken und scharren. Aber auch dort ist ein Ende im Kochtopf nicht auszuschließen. Angesichts der Unmengen von Eiern, die durch eine riesige Maschine laufen, weiß oder braun hinein- und in allen Farben gefärbt am anderen Ende wieder herauskommen, ist der Oster-hasen überwältigt und lässt ihn an seiner Mission zweifeln. Sicher, sie sind viele Osterhasen und schaffen es jedes Jahr alle Kinder mit Ostereiern zu versorgen. Doch die Mengen, die er sieht, gehen über seine Vorstel-lungskraft. Wie sollen sie dagegen ankommen?

Bild von Denisse Leon aus Unsplash

Er beobachtet die Produktion der Ostereier noch eine Weile. Ohne Pause spuckt die Maschine bunte Eier aus. Wenn er genau hinschaut, erkennt er die Monotonie der Herstellung. Es ist nicht allein die eintönige Fertigung im Sekundentakt, ohne die kleinste Abweichung, sondern vor allem das langweilige Ergebnis. Rot, rot, rot, blau, blau, blau, grün, grün, grün, gelb, gelb, gelb, rot, rot, rot, blau, blau, blau, grün, grün, grün, gelb, gelb, gelb und wieder rot, rot, rot. Immer das Gleiche. Kein orange, kein lila, kein rosa, der Osterhase vermisst jede Menge Lieblingsfarben der Kinder. Sie müssen sich ab jetzt mit der begrenzten Auswahl an Farben begnügen. Aus-nahmen und Sonderwünsche fallen weg. Kunstvoll bemalte Eier gibt es schon gar nicht. Das passt nicht in das Konzept der Massenproduktion.

Der Osterhase erkennt die Gefahr für die Kinder. Sie werden zu Massenkonsumenten erzogen, die sich ihre Wünsche von den Konzernen vorschreiben lassen. Kinder erhalten ab jetzt nur noch rot, blau, grün und gelb gefärbte Eier, keine andere Farbe, keine zusätzliche Verzierung.

Bild von Niclas Dehmel aus Unsplash

Dem Osterhasen fällt die Revoluzzerhenne ein, die ihm im letzten Jahr die Leviten gelesen hat. Die kann ihm vielleicht helfen. Sie hat damals auch gewusst, was zu tun ist. Heute wird das genauso sein, hofft er jedenfalls. Der Osterhase macht sich gleich auf den Weg. Der Bauernhof der Revoluzzerhenne ist nicht weit. Die Zeit verrinnt und Ostern kommt in Riesenschritten näher. Der Osterhase packt seinen Turbo aus und rennt los. So erreicht er in einigen Minuten den Bauernhof der Revoluzzerhenne. Der Bauer ahnt wie immer nichts von den wichtigen Verhandlungen zwischen Hennen und Osterhasen.

Der Osterhase schildert das Problem und die Revoluzzerhenne fragt sich nicht zum ersten Mal, wie naiv der Osterhase eigentlich ist. ‚Massentierhaltung noch nie gehört, Kükenschreddern und Verbrauchermanipulation ist ihm kein Begriff‘. Sie schüttelt angesichts der geballten Ahnungslosigkeit des Chefosterhasen ihren kleinen schlauen Kopf. Es hilft nichts, sie muss ihm und den Kindern helfen. Sie seufzt vernehmlich und gackert aufgeregt: „Wir müssen die Kapitalisten mit ihren eigenen Waffen schlagen -pook pook-.“

Der Osterhase schaut sie ratlos an: „Kapitalisten schlagen? Ich will den Kindern helfen.“

Die Revoluzzerhenne verdreht ihre blitzenden Augen, soweit ein Huhn das kann: „Wir müssen Aldi, Lidl und Co das Handwerk legen -pook pook-. Nur so bekommen die Kinder deine echten Ostereier und nicht die gefakten Osterfälschungen. -pook pook-. Außerdem muss ich an meine armen Genossinnen in den erbärmlichen Hüh-nergefängnissen denken. Denen muss auch geholfen werden -pook pook-.“

Dem Osterhasen schwirrt der Kopf. Er kann der Revoluzzerhenne nicht folgen. Er hat verstanden, dass sie ihm hilft. Das reicht ihm. Der Rest ist egal.

„In Ordnung“, antwortet der Hase, „und jetzt?“

Der Osterhase hat keine Ahnung, dass er mit seinem Einverständnis eine Art Weltrevolution im Hühnerwesen mitverantwortet.

Die Revoluzzerhenne erklärt dem Osterhasen ihren Plan. Je länger sie redet und gackert und beschreibt und begründet, umso mulmiger ist es dem Osterhasen zumute. Er versteht ohnehin nicht alles, aber er erfasst zumindest die Grundzüge des Plans der Revoluzzerhenne.

Sie verhalten sich eigentlich wie immer und produzieren und bemalen die Eier nach Kinderwunsch. Die Revoluzzerhenne hat gute Beziehungen zu vielen kleineren Bauernhöfen in der Umgebung und die Chef-hennen dort kennen wiederum weitere und diese wieder andere und so weiter und so weiter. So bekommen sie und der Osterhase genügend Eier zusammen.

Bild von Tim Mossholder aus Unsplash

Doch wozu? Was hat es für einen Sinn, gegen die Abermillionen von bunten Eiern, die Aldi, Lidl und Co. ver-kaufen wollen, mit ein paar tausend, kunstvollen Ostereiern zu konkurrieren? Der Plan der Revoluzzerhenne ist schlau. Der Osterhase wird seine Sippe im ganzen Land mobil machen. Sie bemalen, das ist für sie Tages-geschäft, die Eier kunstvoll. Diesmal sogar meisterhafter als sonst.

Und dann? Es macht keinen Sinn, die Ostereier wie immer nach Hause zu den Kindern zu bringen. Denn dieses Jahr werden sie dann alle Discountereier haben. Niemand wird die echten Ostereier haben wollen. Doch die Revoluzzerhenne wäre nicht die legendäre Revoluzzerhenne, wenn ihr nicht etwas einfiele: „Also, Oster-hase -pook pook-, diesmal bringt ihr die Eier nicht zu den Kindern nach Hause, sondern ihr Osterhasen stellt euch an die Eingangstüren der Aldi, Edeka, Rewe und Lidl-Märkte. Natürlich müsst ihr heuer schneller arbeiten -pook pook-, denn ihr müsst vor Ostern, wenn die Menschen ihre Ostersachen kaufen, dort stehen -pook pook-.“

Der Osterhase sieht nicht recht ein, warum sie die Eier nicht nach Hause bringen: „Das können wir nicht machen“, sagt er zur Revoluzzerhenne, „dann wäre das Rätsel der Osterhasen gelüftet. Jedes Kind sähe die Osterhasen und das Geheimnis wäre dahin.“

„Das ist doch der Trick, dummer Hase, -pook pook-“, antwortet die Henne frech, „Erstens sehen die Kinder endlich, dass es den Osterhasen gibt und zweitens -pook pook-, erkennen sie die schöneren Eier bei euch.“

„Aber einmal verraten, ist das Geheimnisvolle unwiederbringlich verschwunden und niemand interessiert sich künftig für den Osterhasen“, zweifelt der Osterhase mit Sorge.

"Lass mich nur machen -pook pook-.“

Und damit war die Verhandlung beendet. Der Osterhase fügt sich, weil ihm nichts Besseres einfällt und so ergibt es sich, dass eine Woche vor Ostern, vor jedem Supermarkt ein echter Osterhase sitzt und seine wahrlich schön anzuschauenden Ostereier zeigt. Sie reden natürlich nicht mit den Menschen, aber die Revoluzzerhenne hat vorgesorgt. Jeder Osterhase trägt ein Schild mit der Aufschrift bei sich: „Das sind deine Ostereier. Lieferung am Ostersonntag frei Haus.“

Die Osterhasen haben keine Eier abgegeben, geschweige denn verkauft. Die Lebensmittelkonzerne können nichts gegen die Osterhasen unternehmen. Eine gerichtliche Verfügung hätte zudem nicht ordnungsgemäß zugestellt werden können, wohin denn auch?

Den Menschen und Kindern wird vor Augen geführt, wo die wahre Qualität und der Sinn der Ostereier liegen. Am Gründonnerstag ist in allen Zeitungen zu lesen, der Absatz bemalter Eier, von dem sich die Konzerne einen ordentlichen Gewinn versprochen hatten, sei eingebrochen. Damit sie nicht verderben, würden Millionen bunter Eier verschenkt. So gab es in diesem Jahr ein besonders reichliches Osterfest, wobei die kunstvollen Oster-hasenostereier die besseren, die bunten Eier der Konzerne nur zum Essen zu gebrauchen waren.

Nach Ostern treffen sich ein müder Osterhase und eine zufriedene Revoluzzerhenne auf dem Bauernhof:

„Siehst du -pook pook- es hat funktioniert“, jubelt die Revoluzzerhenne, „Der Wert der echten Ostereier ist wieder anerkannt, die Kinder glauben an den Osterhasen und meine Genossinnen in den Hühnergefängnissen sind frei gelassen worden.“

„Warum denn das?“, fragt der Osterhase ratlos wie häufig.

Die Revoluzzerhenne verdreht ihre Hühneraugen und erklärt: „Die Konzerne produzieren keine Ostereier mehr. Sie wissen, dass die Verbraucher echte Ostereier lieber haben. Sie bringen ihre trostlose Einheitsware nicht mehr an den Mann -pook pook-. Deshalb brauchen sie einen großen Teil der Hühner nicht mehr.“

Der Osterhase ist zufrieden. Er versteht zwar nicht alles, aber das Ergebnis gefällt ihm. So freut er sich jetzt schon auf das nächste Jahr, wo er hoffentlich ohne zusätzliche Aufregung seine Ostereier wieder zu den Kindern bringen kann.



Bild von Emiliano Vittoriosi aus Unsplash

Ich wünsche allen Lesern  ein schönes Osterfest

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